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VB

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VB wurde direkt nach dem Krieg 1946 in Paris, Avenue de la République 5, durch MM. Vollon und Brun gegründet. Durch die Namensähnlichkeit mit der Marke 'V.B.' bzw. 'VÉBÉ' entstehen immer wieder Verwechselungen mit diesem Hersteller von Blechspielwaren.

Dem deutschen Modellbahner ist VB eigentlich nicht unbekannt, denn die Firma Märklin erwarb Anfang der 50er Jahre eine Lizenz für das von VB seit etwa 1950 produzierte Gleissystem mit Böschungskörper und Mittelschiene. Anstelle des von VB verwendeten Schwellenbandes setzte Märklin allerdings Segmentplatten mit Schwellennachbildungen aus Kunststoff von unten in die Böschungskörper ein. In diese wurden dann Punktkontakte eingesetzt, die durch einen verdeckt laufenden Blechstreifen verbunden waren. Die Idee der Punktkontakte ging auf eine Veröffentlichung von E.W. Johnson zurück, in der eine englische Klubanlage mit diesem System vorgestellt wurde. Auch die französische Firma PMP verkaufte ihre Zugpackungen von 1946-54 mit VB Gleisen. Das VB Gleis war ein echtes 3 Schienengleis, d.h. die äußeren beiden Schienen waren elektrisch voneinander isoliert (wie Trix Gleise). Allerdings wurde dies nicht für den Betrieb von VB Lokomotiven genutzt.

Von 1947-55 stellte VB Güterwagen in sehr guter Modellqualität aus Presspan (Grundform, Wagenkasten) und anderen Materialien wie Messing, Stahl, Holz, Papier, usw. her ('Série maquette'). Diese ersten Güterwagen wurden von Hand in sehr kleiner Anzahl hergstellt. 1956 erschienen die Güterwagen der 'Série industrielle' in Druckgußtechnik (Zamac => 'Wagons métal léger'), 1957 wurden die ersten Plastikmodelle (Inox Reisezugwagen) vorgestellt. Auch (einige wenige) Güterwagen wurden noch mit Kunststoffgehäusen versehen.

Als Ladegut dienten Kabeltrommeln, Transformatoren, Ölfässer aus Presspan oder Holz, Flugzeuge von Solido, PKWs von Norev, LKWs von Matchbox und anderen Lieferanten. Beschriftung und Ladegut der Güterwagen wechselten häufig. Im Laufe der Jahre sollen über 1000 verschiedene Ausführungen entstanden sein.

Einen großen Schritt in Richtung Sortimentsbahn wagte man 1955 mit der ersten Lok, der Elektrolok BB 9001 in 3-Schienen-, 2-Leiter-Gleichstrom (20 V) Technik. 1957 folgte eine Elektrolok, die BB 9211, zu Weihnachten 1958 der Triebwagen Z 5100 SNCF und 1960 eine Diesellok CC 65000 (060 DB). 1960 befand sich noch eine große Schlepptenderlok 141 R in Planung. Die Triebfahrzeuge beeindrucken durch ihre ruhigen Laufeigenschaften und ihr hohes Gewicht. Die BB 9001 wiegt mit einem Motor 620 g, die zweimotorige Version sogar 740 g. Lokomotiven und Wagen wurden auch als Bausatz angeboten.

1960 wurden alle Triebfahrzeuge sowohl für das bisherige 3-Schienengleis mit 20 V Motoren als auch für 2-Schienen-, 2- (Außen-) Leiter-Gleichstrom (12 V) Technik angeboten.

VB Produkte wurden nach Belgien, Italien, in die Schweiz und nach Canada exportiert. Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre wurden VB Güterwagen sogar über ein Geschäft in Boston in den USA angeboten. Belege dafür sind Anzeigen dieses Bostener Geschäfts sowie Preislisten von VB mit Angaben in Dollar. Im Sortiment befanden sich 24 verschiedene 2-achsige Güterwagen, 14 Waggons mit Drehgestellen sowie Gleise. Ende der 50er Jahre wurde VB im europäischen Ausland durch Fulgurex vertreten (z.B. auch auf der Nürnberger Spielzeugmesse 1959 und 1960, siehe die Miba Messehefte dieser Jahre). Zumindest Ende der 50er Jahre wurden ein Teil der Güterwagen, Personenwagen und Lokomotiven auch als Bausatz angeboten.

Anfang 1960 wurde VB durch die englische Firma Lines Bros. aufgekauft. Lines Bros. (zu deren Konzern u.a. die englische Modellbahnmarke Tri-ang gehörte) suchten zu dieser Zeit einen Einstieg in den kontinentalen Markt, der gegenüber England durch die Bildung der Europäischen Gemeinschaft (EG) abgeschottet war. In Frankreich wurden deshalb mehrere Modelleisenbahnmarken (u.a. auch JEP) auf ihre Eignung für eine Übernahme untersucht, schließlich aber VB in Paris aufgekauft. Verhandlungspartner auf der Seite von VB war der damalige Besitzer M. Robin. Richard Lines berichtet, daß man sich nach einem Fabrikrundgang sehr schnell beim anschließenden Lunch über den Verkauf einigte.

VB H0Die Fabrikationsstätte von VB in Paris soll nach den Worten von Richard Lines mehr einem 'Cottage' als einer modernen Fabrik geglichen haben. Anfang 1960 wurde mit dem Bau einer neuen Produktionsstätte in Calais begonnen. Lines Bros. wollte von dort sein Modellbahnsortiment in 00/H0 für den Kontinent aufbauen (neben der Produktion weiterer Spielzeuge von Lines Bros. wie Scalextric und Frog Aircraft). Außerdem wollte man in den Markt mit Modellbahnen der Spurweite TT einsteigen. Ob die Produktion von VB Modellen noch in Calais aufgenommen wurde, ist allerdings unklar. 1961 sollen noch VB Modelle in Paris produziert worden sein. Gerüchten zufolge fehlte es in Calais an erfahrenen Facharbeitern für den Zinkdruckguß. Weder M. Robin noch die Arbeiter wollten nach Calais übersiedeln. Zudem wurden die meisten Materialien für die Produktion der VB Modelle aus dem Großraum Paris bezogen. Jedenfalls konnte die Produktion in Calais erst Ende 1962 aufgenommen werden. 1960/61 wurde VB noch in den Jahresberichten von Lines Bros. als Tochterunternehmen aufgeführt.

Nach der Übernahme durch Lines Frères, so der Name des französischen Tochterunternehmens, gab es auch Veränderungen im Sortiment. Zum einen wurde die Produktion von Triebfahrzeugen für das 3-Schienengleis mit 20 V Motoren eingestellt. Zum anderen gab es 1960/61 verschiedene Kataloge, in denen neue Modelle angekündigt wurden. Als erstes Modell zur Erweiterung des bestehenden VB-Sortiments wurde schon 1960/61 eine 131 TB (2-6-2 im englischen System) 2-Schienen-, 2-Leiter-Gleichstromtechnik (12 V) angekündigt. Dieses Modell war als direktes Konkurrenzmodell zur 131 TB von Hornby-Acho geplant (die Acho Lok wurde im Januar 1960 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg vorgestellt). Beim Anblick des geplanten Modells könnte man sogar von einem Plagiat sprechen. Allerdings wurden Planung, Entwurf und Fertigung der Formen dann doch von England aus dirigiert und das endgültige Modell hat weder mit dem Hornby-Acho Modell, noch mit dem Vorbild allzu große Ähnlichkeit. Ein Grund dafür dürfte die Vorgabe gewesen sein, daß (aus Kostengründen) das Fahrwerk des Tri-ang Modells R59 verwendet werden mußte. Außerdem sollte die Puffer- und Kupplungshöhe zu den englischen Tri-ang Modellen in 00 (= 1/76) passen. 5000 Chassis der R59 lieferte Tri-ang nach Calais. Ende 1962 wurde das Projekt jedoch von England aus gestoppt und die Teile nach England zurückgebracht. Die Lok wurde dann als R653 'Continental Prairie Tank' in das englische Tri-ang Sortiment eingereiht.

VB 1961 Aus dem VB Katalog von 1961: Die Ankündigung des Modells VB540 der 131 TB (rechts unten) sieht der entsprechenden Hornby Acho Lok zum Verwechseln ähnlich.
Hornby Acho 131 TB Das Original: die 131 TB von Hornby Acho
VB 131 TB Abbildung aus dem VB Katalog von 1961
Tri-ang R653 Das Ergebnis: die R653 mit einem Dom (Version 1) von Tri-ang. Die Wiederauflage dieses Modells einige Jahre später (Version 2) hatte dann zwei Dome.

Die zweite Erweiterung der existierenden VB Produktpalette war ein VB Schwerlastwaggon beladen mit einer Atombombe aus dem Tri-ang "Space Battle" Sortiment. Als eins der letzten 'echten' VB Modelle erschien 1960 noch ein Schlafwagen "Wagon Lits Type P".

Im August 1961 gab es eine neue Preisliste, in der das Ende der Produktion für die 12 V, 2-Gleis Lokomotiven angekündigt wurde. 1962 wurde bei Lines Bros. in England dann die Entscheidung getroffen, in Calais keine Modelleisenbahnen in 00/H0 mehr zu produzieren und die Marke VB zu verkaufen. Die unterschiedlichen Philosophien der beiden Unternehmen, VB mit kunsthandwerklicher Produktion gegenüber Tri-ang mit industrieller Massenproduktion, waren offensichtlich nicht miteinander vereinbar.

'Opfer' dieser Entscheidung war auch ein zweites Modell, das ursprünglich in Calais hergestellt werden sollte. Obwohl es im Sortiment von VB bereits einen Fourgon gab, wurde in England ein zweiter Fourgon für Calais geplant. Nach Aufgabe der Modellbahnpläne für Calais wurde dieses Modell als R262 in das Tri-ang Sortiment eingereiht.

Kataloge und Preislisten aus dieser Zeit sind nicht bekannt.

VB Fourgon Tri-ang Fourgon
VB Fourgon Tri-ang Fourgon R262

Daniel Lejeune, ein passionierter Fotograf und enthusiastischer Sammler von VB, erwarb einen Teil der Formen der ursprünglichen VB Modelle und produzierte diese von 1965-69 in Kleinserie weiter. Die Modelle der Güterwagen aus dieser Periode sind von den ursprünglichen VB-Modellen nicht zu unterscheiden. Dazu kamen einige Waggons in neuer Bemalung und/oder neuer Beladung. Bemerkenswert sind die beiden BB 9211 'Capitole' und 'Mistrale', da beide als BB 921 beschriftet sind sowie ein Mittelwagen für den Triebwagen Z 5100, der aus 2 zersägten Steuerwagen zusammengeklebt wurde.

Im Jahr 1963 übernahm Lines Bros. die Meccano Hornby Gruppe und damit auch deren französische Tochter Meccano Paris mit dem Konkurrenzprodukt Hornby Acho. Meccano übernahm das Werk in Calais und verlegte die Produktion der Acho Bahnen dorthin. Damit endete die Geschichte der VB Modelle endgültig.

PS. Auch Hornby Acho hatte einen Fourgon im Sortiment (von SMCF übernommen) ...

Kataloge

Artikelliste

Tri-ang TT

1   Anmerkung 

Die Firma VB, Hersteller feiner Modelleisenbahnmodelle, sollte nicht mit den Marken V.B. oder VÉBÉ, Hersteller von Blechspielzeug, verwechselt werden. Etwa 1919 kaufte Victor Bonnet, ein Bruder von Cyrille Bonnet (Generalmanager der SIF -> JEP) die Firma 'F. MARTIN' und änderte den Namen in 'V.B. et Cie., successeur Fernand MARTIN'. In den späten 30er Jahren wurde die Firma nochmals in 'BONNET FRÈRES SUCCESSEURS' umbenannt. Unter der Marke 'VÉBÉ' wurden Spielwaren aus Blech (ähnlich den Produkten von Joustra) hergestellt, unter anderem auch eine sehr einfache Stromlinienlok als Bodenläufer. Die letzten Produkte erschienen Mitte der 50er Jahre.

Quelle: Argus de la miniature 178, Mars/Avril 1996

2   Literatur 

  • Clive Lamming, 3000 modèles réduits ferroviaires, tome 1: les anciens réseaux, tome 2: les matérials sncf; Milan 1996 + 1997
  • Clive Lamming, Encyclopedie du Train-Jouet français; Editions du Collectionneur 1993
  • Allen Levy (Hrsg.),The Trains on Avenue de Rumine, New Cavendish Books 1982
  • Pat Hammond, The Story of Rovex, Vol. 1: 1950-1965, Vol. 2: 1965-1971; New Cavendish Books 1993 + 1998
  • Pat Hammond, Ramsay's British Model Trains, 1st, 2nd, 3rd Edition; Swapmeet Publications 1998-2002
  • RMA, verschiedene Kataloge 1955-62
  • Richard Lines, A rare breed? VB trains; TCS News 57, dort weitere Katalogabbildungen
  • Stan Peachey, Tripping to Paris 1996; TCS News 97, dort weitere Katalogabbildungen
  • Malcolm Pugh, French leave (Leserbrief); TCS News 100
  • Bernard Malton, The early post-war french H0 ranges; TCS News 110
  • Richard Lines, Leserbrief; TCS News 111
  • Bernard Malton, VB (Lines Freres) - a rare breed BUT; TCS News 116, 118, 119, 120, 121, 122
  • Les wagons VB en carton; La vie du jouet, Juillet 1996
  • Les trains PMP; La vie du jouet, Mars 2001
  • Articles de Loco-revue du numéro 546 au 555 mais aussi les « catalogues des modèles réduits ferroviaires français à l'échelle HO » de D. Lejeune parus dans les numéros 288, 289, 292, 304, 306 et 308.
  • Les numéros 10 et 68 du journal « La vie du jouet ».
  • Train Mistral sur réseau H0, La Vie du Jouet No 101, Juin 2004, p. 22-27

Nähere Angaben zu den Büchern auf der Literatur Seite.

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